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Mittelfristige Prognose der österreichischen Wirtschaft bis 2016 und IKT 2012–2015

Die österreichische Wirtschaft sieht nach einer vorübergehenden Wachstumsdelle einem verhaltenen Konjunkturaufschwung ab der Hälfte des Jahres 2012 entgegen. Der positiven Erwartungshaltung stehen allerdings Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand entgegen, die dasWachstum in den kommenden Jahren dämmen werden. Zu diesem Schluss kam Wirtschaftsforscher Marcus Scheiblecker vom WIFO Wien auf dem Management Forum des Future Network, das gemeinsam mit SBA Research und CON.ECT Eventmanagement veranstaltet wurde, am 21. März in Wien.

Höhepunkt des Wirtschaftswachstums für 2015 erwartet

Positiv auf die aktuelle Konjunkturentwicklung werden sich laut Scheiblecker vor allem die gute Performance der USA und Deutschland sowie der steigende private Konsum auswirken. Nach nur 0,4 Prozent realem BIP-Wachstum 2012 rechnet das WIFO aktuell mit 1,6 Prozent Wachstum für 2013. Diese Zahl ist auch der durchschnittliche jährliche Wachstumswert für den Zeitraum 2011-2016 und liegt damit um einen halben Prozent- punkt unter dem Fünfjahreswert vor der Finanzmarktkrise.

"Auch wenn sich die Situation bessert, muss man sich im Klaren sein, dass in den kommenden Jahren kein berauschendes Wachstum zu erwarten ist", so Scheiblecker im Rahmen seiner Präsentation. Erst ab 2014 dürfte sich die Expansion laut WIFO-Prognosen wieder beschleunigen und die Outputlücke langsam geschlossen werden. Den vorläufigen Höhepunkt des Wirtschaftswachstums prognostiziert das WIFO für das Jahr 2015 mit 2,2 Prozent realem BIP-Wachstum, danach soll die Konjunktur sich schon wieder leicht abschwächen.

Überdurchschnittliches Wachstumspotenzial am IT-Markt - Cloud, Mobility und Outsourcing als Trends

Neben dem allgemeinen Wirtschaftsausblick auf Österreich wurde auf dem Management Forum auch der österreichische IT-Markt näher beleuchtet. Überdurchschnittlich hohes Wachstumspotenzial ortet das Marktanalyse-Unternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) vor allem in den Bereichen Outsourcing sowie Anwendungssoftware und Services. Als große Trends und Wachstumstreiber bewerten die PAC-Analysten unter anderem die Themen "Cloud" und "Mobility". Gerade der Gang in die Cloud werde den Markt und etablierte Geschäftsmodelle sowohl auf Seiten der Software-Anbieter, als auch der Anwender wesentlich verändern, meinte Markt-Analyst Philipp Schalla im Rahmen seines Vortrags.

Gerade beim Thema Outsourcing war die Rolle Österreichs im Vergleich zur restlichen DACH-Region, aber auch große Länder wie England und Frankreich bisher weniger stark ausgeprägt. "Hier erleben wir nicht zuletzt durch den Trend zur Cloud aber gerade eine Umbruchsituation, die dem Markt jährliche Wachstumsraten von knapp sieben Prozent bis 2015 bescheren wird", so Schalla in Referenz zu den aktuellen PAC- Prognosen.

Profitieren könnte Österreich auch von seiner Brückenfunktion nach Osteuropa, wo Outsourcing-Prozesse noch weniger weit fortgeschritten sind als in Österreich. "Für Akteure in diesem Segment gilt: Was hierzulande jetzt funktioniert, kann auch in den Nachbarländern zum wirtschaftlichen Erfolg führen", so Schalla. Für Anwender und deren Geschäftsfelder bietet das Outsourcing von Hardware und vor allem auch Software und Services ebenfalls eine Reihe neuer Möglichkeiten. "Durch die schnelle und flexible Verfügbarkeit von Ressourcen und den Wegfall großer Hardware-Investitionen tun sich völlig neue Geschäftsmodelle auf", ist Schalla überzeugt. Softwarehersteller hingegen müssten auf die Anforderungen der Unternehmenskunden hören und sich im Klaren darüber sein, dass sie in Zukunft nicht ausschließlich mit Lizenzen, sondern auch mit Abomodellen ihr Geschäft bestreiten werden.

Ähnlich wie im Bereich der "Cloud" schätzen Branchenexperten die Situation beim Thema "Mobility" ein. Auch hier wird der Reifegrad des Marktes als noch nicht besonders hoch eingestuft, wenngleich die Angebote zunehmen. "Natürlich sind wir heute alle mobil. Aus Unternehmenssicht reicht es jedoch nicht, iPhones einzuführen, wenn die Geschäfts- und Arbeitsprozesse mobil gar nicht abgebildet werden können", meint Schalla. Die Integration der verschiedenen Services und Geräte spiele heute im Vergleich zu vor fünf Jahren daher eine viel stärkere Rolle. "Silolösungen sind heute nicht mehr zielführend, vielmehr ist eine gesamtheitliche IT-Strategie gefragt", so Schalla.

"Cloud-Services könnten 20 bis 30 Prozent Einsparung in der IT bringen"

Zu einem ähnlichen Schluss kam im Rahmen der Veranstaltung auch Jochen Borenich, Vorstandsmitglied bei Kapsch BusinessCom. Auch er ortet einen starken Trend in Richtung Outsourcing und dem damit eng verbundenen Cloud Computing. "Cloud-Services bieten Unternehmen mehr Flexibilität und Skaleneffekte, die 20 bis 30 Prozent Einsparung in der IT bringen können. Die Auslagerung kritischer Unternehmensdaten ist aber auch eine Vertrauensfrage - "Trust" ist ein wichtiges Schlagwort", so Borenich. Gerade hier müssten Dienstleistungsanbieter folglich als "Trusted Advisor" fungieren und einen verlässlichen Schutz und Umgang mit den Daten gewährleisten.

Gleichzeitig wies Borenich auf den richtigen Mix aus Public- und Private Cloud hin, den jedes Unternehmen seinem Geschäftsmodell angepasst umsetzen solle. Wie PAC ortet auch Kapsch BusinessCom beim Thema "mobile Endgerät" einen großen Trend. Für Borenich steht die Mobility zudem in starkem Zusammenhang mit der Consumerization. "Mitarbeiter bringen nach dem Motto 'Bring your own Device' ihre eigenen Geräte wie Smartphones oder Tablets in die Firma, weil sie auch im Arbeitsalltag nicht mehr auf deren Vorteile verzichten möchten. Hier gilt es entsprechende sichere Strategien zu entwickeln", so Borenich.

Security, Collaboration, CRM und Business Intelligence als wichtige Treiber für IT-Abteilungen der Zukunft

Für mehr Mut zum Outsourcing plädierte auch Christian Polster von ATOS. "Österreich nimmt im Vergleich zuDeutschland die Möglichkeit der Auslagerung noch nicht entsprechend wahr. Cloud Computing im Sinne des klassischen Outsourcings der IT - mit flexiblen Verrechnungsmodellen - entspricht klar dem heutigen Trend", so Polster. Denn Unternehmen mit einer eigenen IT-Abteilung würden heute vor dem zunehmenden Problem stehen, dass weit mehr qualifiziertes Personal benötigt wird als es im eigenen Betrieb verfügbar ist.

Ungeachtet der guten Möglichkeiten, die Outsourcing und eben auch Cloud Computing bietet, bleiben viele Unternehmen skeptisch. "Aus rechtlichen Gründen und um mehr Transparenz und Sicherheit für sensible Daten zu gewährleisten, ist die Nachfrage nach zuverlässigen Partnern im Land natürlich groß", sagte Polster. Gerade bei der Software-Entwicklung würde sich die Auslagerung auf externe Unternehmen allerdings anbieten. "Aufgrund der hohen Komplexität ist eigene Softwareentwicklung lediglich zu empfehlen, wenn sie einen entscheidenden Geschäftsvorteil darstellt und somit Intellectual Property für das eigene Unternehmen bedeutet", zeigte sich Polster überzeugt.

Neben den genannten Themen Cloud Computing und Mobility, die ein gemeinsames Erarbeiten von erfolgreichen Lösungen zwischen Service-Anbieter und Anwendern erfordert, gehen die Branchenkenner davon aus, dass auch die Themen Security, Collaboration, CRM und Business Intelligence in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle für IT-Abteilungen spielen werden. Den Einsatz mächtiger Analysetools zur Auswertung von "Big Data" sieht sowohl PAC als auch Kapsch ganz oben auf der Trendliste der kommenden Jahre.

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